Nun auch innenpolitisch – Erdogan wird zum Problem Nummer 1 der Türkei

Claudio Munoz in Economist: Erdogan kämpft / Cem Kiziltug in Zaman: so bewegt man sich nun / Tundra Tabloids: ...um gegen Erdogan zu protestieren / Ronny Gordon in Ma'ariv: Gewaltmensch Erdogan / Tumblr Blog: ...will Istanbul umgestalten / ...und schreckt vor nichts zurück / Die Welt: Probleme auch für Türken in Deutschland



Seit langem ist es bekannt und weitgehend unumstritten, dass der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan ein Hauptverursacher von vielen aussenpolitischen Problemen seines Landes ist. Erdogan steht für eine Radikalisierung der Türkei, die sich immer weiter von den säkularen Werten der modernen Republik entfernt. Erdogan steht für den Versuch, ein osmanisches Reich in neuem Gewand zu erzwingen.



In den letzten drei Jahren hat Erdogan systematisch versucht, eine Abgrenzung dem Westen gegenüber zu betreiben. Er provozierte mit staatlicher Unterstützung für islamistische Organisationen wie IHH, die in Deutschland und anderswo wegen Hetze und Gewaltanwendung verboten sind. In der eigenen Region hat er versucht, die sogenannte arabische Revolution zu vereinnahmen und sein Land als Zukunftsmodell darzustellen.

Beide Stoßrichtungen haben die Türkei nicht weitergebracht. Im Gegenteil. Im Westen wuchs das Misstrauen gegen Ankara. Die Zusammenarbeit in der NATO läuft nicht so reibungslos wie früher. Die angestrebte Aufnahme in die europäische Union wurde auf Eis gelegt. In den arabischen Ländern haben sowohl die neuen als auch die alten Machthaber den Führungsanspruch von Erdogan abgelehnt. Zudem befindet sich die Türkei in einem offenen Konflikt mit dem arabischen Nachbarn Syrien. Dieser droht, zu einem regelrechten Krieg zu eskalieren.

Nun stellt sich deutlich heraus, dass Erdogan auch im eigenen Land zunehmend Probleme bekommt. Viele Menschen gehen auf die Straße, um gegen seinen autoritären Führungsstil zu protestieren. Sie fordern offen seinen Rücktritt. Sie wollen unbedingt verhindern, dass er die Verfassung ändert um zukünftig - wie er fest plant - vom Amt des Päsidenten, das mit neuen Befugnissen ausgestattet werden soll - das Land weiterhin zu regieren und in eine islamistische Richtung zu führen.

Das wirtschaftliche Wachstum der Türkei brachte in den letzten Jahren einen gewissen Wohlstand und hat den Richtungskampf im Lande etwas verschleiert. Doch die Konfrontation zwischen den weltlichen Türken und den Erdogan-Anhängern ist unvermeidbar. Das Land am Bosporus muss wählen, ob es mit Erdogan weiterhin abdriftet oder sich der Moderne zuwendet.

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