Polynesien, Malvinas, Ceuta… wie lange noch bleibt es bei den Überbleibseln des Kolonialismus?

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Die UN-Vollversammlung hat eine Entscheidung getroffen, die Frankreich und andere ehemalige oder gegenwärtige Kolonialmächte zittern lässt: Die Inselgruppe Polynesien im Pazifik soll Unabhängig werden. Wie alle anderen Beschlüsse der UN-Vollversammlung hat die neue Resolution keine bindende Kraft. Sie muss nicht angewendet werden, und sie wird es auch ganz sicher nicht. Frankreich sträubt sich dagegen und erhält dabei Unterstützung von seinen wichtigsten europäischen Partnern.



Doch damit wurde das Thema noch lange nicht ad acta gelegt. Im Gegenteil. Es bekommt immer mehr Aufmerksamkeit und bleibt auf der Tagesordnung der Weltpolitik. Dabei geht es nicht allein um Polynesien, das als ein exotisches Touristenziel und als Ort von französischen Atombombentests berühmt wurde. Es geht um eine ganze Reihe von Kolonien, an denen mehrere europäische Mächte mit großem Nachdruck festhalten.

Wie bei vielen Konflikten kann man die Lage aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln darstellen und analysieren. Die Staaten des Pazifik, die die UN-Resolution einbrachten, haben stichhaltige Argumente genannt. Ebenso Frankreich, das die ferne Perle im Pazifik auf keinen Fall preisgeben will. Die gegenseitigen Positionen lauten in Kürze:

  • Wir Völker des Pazifik stellen fest, dass Frankreich die Inselgruppe Polynesien mit Gewalt erobert und besetzt hat. Im Laufe von Jahrhunderten hat es die ursprüngliche Kultur weitgehend zerstört und den Charakter des Archipels geändert. Viele französische Siedler kamen aus dem Mutterland und haben das Land für sich reklamiert. Zudem baute Frankreich Polynesien zu einer riesigen Militärbasis aus. Die bisherigen Wahlen auf dem Archipel taugen nicht als ein rechtmäßiger Volkseintscheid über die Unabhängigkeit, da Frankreich die Spielregeln bestimmt und die Ergebnisse weitgehend durch die Zugewanderten aus Europa beeinflussen kann. Die Inseln sollen ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen - ohne Diktat aus Paris.
  • Wir Franzosen sind nach Polynesien in einer Zeit gekommen, in der es üblich war, ferne Länder zu besetzen. Über diese Geschichte kann man sich nicht hinwegsetzen. Doch man muss die Realitäten vor Augen haben. Frankreich hat Polynesien auf vielen Feldern nach Vorne gebracht. Die meisten Menschen auf den Inseln stehen zu Frankreich und sind in der französischen Kultur tief verwurzelt. Es wäre töricht, diese Gegebenheiten zu missachten. Zudem unterstützt Frankreich Polynesien massiv, und will es weiterhin tun. Den Menschen auf den Inseln wird in vielen Bereichen Autonomie gewährt. Die politische Zukunft des Gebietes können nur die Bewohner bestimmen, die dort leben. Und das haben sie wiederholt getan - eben zugunsten des Verbleibs in der französischen Republik.

Zwischen diesen konträren Positionen kann man kaum schlichten. Doch zwei Sachen sind klar: Erstens - das "Mutterland" einer ehemaligen Kolonie hat viele wirksame Einflussmöglichkeiten. Gegen seinen Willen kann eine Änderung des Status gegenwärtig nicht erfolgen. Zweitens - der Druck auf die europäischen Mächte wird zunehmen, die Überbleibsel des Kolonialismus zu beseitigen. Am Ende werden sie es möglicherweise aus eigenen Stücken tun, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen und eine wirksame weltpolitische Rolle spielen zu können.

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