Mit oder ohne Friedensplan; Syrien versucht Normalität zu demonstrieren

Gulf News: Friedensplan explodiert / Al Marifa: neue Beilage des Kultusministeriums über syrische Literatur / Champress, Damascus: Zeitung greift US Spionage in Russland genüsslich auf / Moscow News: ...wobei Russland nun Probleme an seiner Grenze zu Afghanistan bekommt



Heute morgen habe ich bei Präsident Bashar Assad angeklopft. Durch einen arabischen Kollegen habe ich die Telefonnummer der Machtzentrale bekommen. Eine Person erklärte mir höflich, dass Bashar gerade unterwegs sei und in nächster Zeit sowieso nicht zu sprechen wäre. Ansonsten wurde mir geraten, die Informationen über die Haltung des Präsidenten den offiziellen Medien zu entnehmen. Zum Schluss kam noch der beruhigende Satz "Alles unter Kontrolle".



In den wenigen Zeitungen, die das Regime noch aktiv betreibt, waren die Informationen dürftig. Keine direkte Stellungnahme zu den letzten internationalen Initiativen, die dem Ziel dienen, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. Schon gar keine Antwort auf die Frage, ob Präsident Assad bereit sei, an Gesprächen mit der Opposition teilzunehmen, um gemeinsam einen Ausweg aus dem blutigen Konflikt zu finden.

Doch der Ton in den syrischen Medien ist ganz klar: es gibt zwar erhebliche Probleme. Aber die staatlichen Institutionen funktionieren. Die Rebellen sind lediglich Terroristen, die von fremden Staaten und Organisationen unterstützt und gelenkt werden. Eine Gegenoffensive der Armee ist bereits im Gange. In absehbarer Zeit wird Ruhe einkehren. Dann kommt der Wiederaufbau unter der Führung von Bashar Assad.

Dieser Ton macht die Musik, die von Assad und seinen Anhängern gespielt wird. Das Regime fühlt sich völlig bestätigt, auch wenn die Lage äusserst kompliziert bleibt. Die Regierung rechnet nach wie vor damit, dass die Unterstützung durch Russland (und zum Teil auch durch China) nicht bröckelt. Gegenteilige Informationen im Westen führen syrische Kommentatoren darauf zurück, dass Unverständnis und Wunschdenken den Sinn für die Realität verdrängen. Russland steht ganz eindeutig hinter Assad.

Ich will Niemand in den westlichen Medien zu nahe treten. Doch ich glaube schon, dass die offizielle syrische Lesart nicht ganz verkehrt ist. Russen und Syrer verstehen sich seit vielen Jahren gut. Russland braucht Syrien als militärischen Stützpunkt, der nun sogar ausgebaut werden soll. Syrien braucht Russland als Waffenlieferant sowie als Schutzmacht in der UNO und in anderen Gremien. An diesem Umstand hat sich auch durch die letzten Runden von Gesprächen nichts geändert.

Nur die Assad Machtdynastie kann garantieren, dass russische Interessen im Orient gut aufgehoben sind. Es wäre für Russland töricht, einen Regimewechsel zu akzeptieren, der etwa die Interessen von Saudi Arabien und Katar begünstigt. Das weiß Assad. Das wissen auch die Personen, die die offiziellen Stellen und Medien in Syrien lenken und mit meiner Wenigkeit gelegentlich reden. Der Ton, den sie vermitteln, ist daher unüberhörbar. Er lautet ganz einfach - Assad bleibt am Ball.

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