Syrien auf dem Weg zur Balkanisierung / „Syrianization“ – the dynamic of Balkanization is taking shape

Arab News: UN Einsatz / ...kritisch betrachtet / New Yorker: Assad sperrt Internet / Thawra, Damascus: ...um es wieder frei zu geben und vor einer angeblichen Allianz Israel-Türkei gegen Syrien zu warnen / The Week: Obama machtlos / Ya Libnan, Beirut: Balkanisierung kommt



UN Soldaten haben ihren Posten an der Grenze zwischen Syrien und Israel endgültig verlassen. So reagierte die als Friedenstruppe eingesetzte, internationale Streitmacht auf die zunehmende Gefahr für die Blauhelme. Einige UN Soldaten wurden zuvor von syrischen Rebellen entführt. Das war zuviel für die kleine, bewaffnete Truppe, die seit Jahrzehnten die Posten an der Grenze besetzte.



Diese Nachricht kommt nicht ganz überraschend. Auch bei früheren, ähnlichen Missionen haben internationale Friedenstruppen das Feld geräumt, als die Situation weniger friedlich oder gar bedrohlich wurde. Beispiele gibt es genug - zuletzt der Einsatz von europäischen Beobachtern an der arabisch-arabischen Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Durch Hamas-Angriffe wurde die Situation prekär. Die Truppe hat das Gebiet schon längst verlassen.

Was die Lage in Syrien angeht lässt die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der UNO einiges zu wünschen übrig. Zwei Zeichnungen aus Arab News (siehe oben) belegen diesen bedauerlichen Zustand. Viele Araber wünschen sich mehr Engagement der internationalen Organisation, damit der Bürgerkrieg zu Ende geht, und das Morden aufhört. Allerdings scheut sich die arabische Liga davor selbst zu intervenieren, um die Kämpfe zu beenden.

Aus heutiger Sicht muss man feststellen, dass sich Syrien auf dem Weg zu einer Teilung befindet. Die libanesische Zeitung Ya Libnan (Karte oben) nennt diesen Umstand Balkanisierung und benutzt damit einen europäischen Begriff, der auch im christlich geprägten Westen gut verstanden werden kann. Der Zerfall Syriens in drei oder gar vier Teile - nach ethnischen oder religiösen Linien - ist bereits eine Realität. Das Problem dabei ist, dass in mehreren Städten, Regionen und Gemeinden die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Gruppen verschwommen sind und nun gewaltsem festgelegt werden.

Dabei gelingt es Präsident Bashar Assad immer noch, die staatlichen Strukturen in weiten Teilen Syriens aufrecht zu erhalten. Der Überlebenskünstler Assad nutzt sehr geschickt die Zersplitterung der Rebellen um sich selbst zu behaupten. Sein Durchhaltevermögen ist auch darauf zurückzuführen, dass viele Syrer das Regime der Assad-Dynastie als das kleinere Übel betrachten. Das gilt insbesondere für die kleine christiliche Minderheit, die Unterdrückung und Repressalien durch muslimische Fundamentalisten fürchten muss, falls der alawitisch-dominierte Staat zusammenbricht.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Fünf Gründe, warum die Rebellen in Syrien bisher nicht siegen

Syrien von Libanon aus gesehen: was planen die Drusen?

_________________________________

You are welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Schlagwörter: , , , , , ,

Anmelden