Intervention des Westens in Arabien? Lehren aus Libyen

Louison in Marianne: Libyen soll gerettet werden / Honzec in Contrepoints: Bernard-Henri Lévy macht Stimmung für Intervention / La Provence sowie Ouest France: ...mit diesem Ergebnis



Frankreich war die treibende Kraft hinter der Intervention der NATO in Libyen. Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy hat sich dafür persönich stark gemacht. Ihm zur Seite standen französische Intellektuelle, allen voran der hochgeschätzte Philosoph Bernard-Henri Lévy, der die Öffentlichkeit weitgehend für den Einsatz gewinnen konnte. Mit Ausnahme Großbritanniens zögerten die anderen Europäer oder beteiligten sich nur teilweise. Die Amerikaner waren unentschlossen. Deutschland hat sich ganz rausgehalten.



Libyen wurde angeblich befreit. Der gefürchtete Diktator Muammar Gaddafi hat schon längst das Zeitliche gesegnet. Neue Institutionen wurden aufgebaut. Wahlen wurden abgehalten. Ein Parlament tagt ziemlich regelmässig. Die Demokratie feierte. Verbrecher aus der Zeit der Schreckensherrschaft des alten Regime wurden und werden noch vor Gericht gestellt. Der große Erfolg wurde überall gelobt.

Und was nun? Libyen verwandelt sich zum bequemen Stützpunkt für diverse Gruppen von Islamisten. Diese unterstützen seit langem Rebellen in Mali, die dort wiederum von französischen Streitkräften bekämpft werden. Große Wüstenregionen in Zentralafrika wurden destabilisiert - mit schlimmen Folgen für die Bevölkerung. Von Libyen aus - auf Umwegen über Ägypten - gelangten große Menge Waffen in den Sinai, wo ohnehin chaotische Zustände herrschen.

Die amerikanische Botschaft wurde bereits vor einigen Monaten angegriffen. Nun auch die französische. Die erwartete Dankbarkeit für die Hilfe aus Europa drückt sich ziemlich explosiv aus. Westliche Vertretungen verbarrikadieren sich zunehmend und engagieren immer mehr Wachpersonal. Bernard-Henri Lévy selbst darf nicht mehr in Libyen auftauchen. Er ist ja ein Jude - und als solcher ganz offiziell unerwünscht. Das wäre nicht mal unter der Herrschaft von Gaddafi vorstellbar gewesen.

Was ist bei dieser Befreiung schief gelaufen, wenn man die militärische Aktion des Westens noch Befreiung nennen soll? Die Anwort können Sie an mehreren Stellen in dieser Website nachlesen. Sie lautet verkürzt: Das Problem war von Anfang an, dass die Araber keine Verantwortung übernehmen wollten. Die Arabische Liga lehnte es ab, die militärische Intervention selbst durchzuführen. Sie überliess es dem Westen, in Libyen zu kämpfen und zu bluten.

Als Zuschauer haben arabische Staaten und Organisationen zunächst die Intervention gelobt, dann wiederum kritisiert, später sogar gänzlich verurteilt. Diese höchst merkwürdige und unverantwortliche Haltung wiederholt sich nun in Syrien. Immer wieder ist der Ruf nach Intervention zu hören. Doch die Araber selbst handeln nicht. Sie erwarten vielleicht, dass der Westen für sie die Kastanien aus dem Feuer holt. Das darf aber nicht geschehen. Die Araber sind aufgerufen, selbst zu intervenieren, wenn sie es für richtig halten. Intervention von Aussen wird sowieso scheitern. Siehe Libyen.

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