Die Brüder Tsarnev & der amerikanische Traum: was tun, wenn die Freiheit missbraucht wird?

American Dream wird auch privat geschützt / noch mehr möchten zu uns kommen / auch wenn es Blessuren gibt / Shlomo Cohen: Miss Liberty staunt / Dave Granlund in Dighton: Sprache des Terrors  / Los Angeles Times: ...drückt sich so aus / Mario Piperni in Seniors: Boston aktuell / dennoch an den Traum glauben...



The American Dream hat mich in den letzten Tagen intensiv beschäftigt. Ich werde bald auf einer Seereise darüber sprechen. Wenn wir nach New York per Schiff ankommen, werden meine Zuhörer bestens darüber informiert sein, wie man es in Amerika zu Glück und Reichtum bringt. Die Passagiere bekommen von mir eine brauchbare Anleitung. Das war meine ursprüngliche Absicht.



Doch die aktuellen Ereingnisse zwingen mich zur Kurskorrektur. Beim formalen Captain's Dinner werde ich bestimmt eine Gelegenheit haben, mit dem leitenden Personal darüber zu sprechen. Sollen wir vielleicht die USA ganz meiden? Sollen wir versuchen, die Träume auf See zu belassen? Gibt es vielleicht ein attraktives Ausweichziel, in dem die Träume mühelos und friedlich in Erfüllung gehen? Etwa eine einsame Insel, die womöglich auch noch als Steueroase in Betracht kommt?

Die Idee zu diesem Gedankenaustausch mit Ihnen kam heute morgen von meinem Kollegen Shlomo Cohen. Mit seiner Zeichnung der Statue of Liberty (Gallerie oben) zeigt er, wie manchmal Freiheit und Großzügigkeit eklatant missbraucht werden. Amerika streitet nun heftig darüber, wie man mit diesem Phänomen umgeht. Soll man noch strenger als bisher prüfen, wer sich in den USA niederlassen darf? Soll man die Bürgerrechte gleich für alle Menschen einschränken?

Die Brüder Tamerlan und Dzhokhar Tsarne sind ein klassicher Fall. Sie bekamen Asyl und unbegrenzte Chancen, den Amerikanischen Traum ganz persönlich für sich selbst zu reklamieren. Von solchen Chancen träumen jedes Jahr Millionen Menschen, die ständig an die Türen der USA klopfen. Sie stellen Anträge auf Asyl, wie es die Familie Tsarne machte. Sie versuchen verzweifelt und meist erfolglos, die begehrte Green Card zu bekommen. Dafür beteiligen sie sich an einer staatlichen Lotterie, die allerdings so wenig Chancen bietet wie ein Treffer im Loto.

Bereits jetzt kann ich mir gut vorstellen, wie das oben genannte Gespräch mit dem Kapitän abläuft. Er wird mir sinngemäss sagen, dass eine Kurskorrektur für uns nicht in Frage kommt. Wir sind leider langfristig gebunden. Alles muss Monate im Voraus mit vielen Behörden und Firmen abgestimmt werden. Ausserdem ist es ratsam, den amerikanischen Traum nicht wörtlich zu nehmen. Was gilt ist vor allem der Versuch, doch noch dahin zu kommen. "Wir, die Seeleute haben dazu einen zutreffenden Spruch", wird der Kaptän noch hinzufügen, "Der Weg ist das Ziel!"

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