Französische Alpträume – zunächst für Hollande, nun womöglich für Libération

Placide: Minister von Hollande betreibt Geldwäsche / Liberation & Mediapart: Alptraum... auch Fabius involviert? / Arret sur Images: nein, Zeitung hat Gerüchte als Nachricht gebracht / Plantu in Le Monde: Kapitalflucht aus allen Rohren



Die Alpträume in Frankreich häufen sich in diesen Tagen. Der ursprüngliche Alptraum belastet den französischen Präsidenten Francois Hollande. Im Wahlkampf ist er als Moralapostel aufgetreten und forderte Steuergerechtigkeit. Nach seinem Wahlsieg hat er blitzschnell gehandelt und erhöhte die Steuer für Besserverdienende - mit einem Spitzensteuersatz von gleich 75 Prozent. Weltrekord verdächtigt!



Doch ziemlich schnell wurde klar, dass diese Politik ins Leere führt. Die richtig Superreichen finden ja immer ihre Tricks, um den drakonischen Steuern zu entgehen. Oder sie ziehen einfach aus Frankreich aus - etwa nach London, oder Belgien oder sonstwo in Europa. Natürlich gibt es auch noch die benachbarte Eidgenossenschaft Schweiz. Und im schlimmsten Fall exotische Steuerparadiese in Übersee.

Ohnehin hat inzwischen der Senat - das Oberhaus des Parlaments - den Spitzensteuersatz gekippt. Da das an bösen Überraschungen nicht ausreicht, kommt der eigene Haushaltsminister von Hollande daher und wird als steuerflüchtig demaskiert, weil er sein schwarzes Geld in der Schweiz, im fernen Singapour und anderswo in der Ferne angelegt hat. Das gleiche gilt für einen Freund und Experten von Hollande, der die Finanzen der sozialistischen Partei verwaltete und den Sieg des jetzigen Präsidenten gesichert hat.

Das aktuellste Schreckgespenst besteht darin, dass die Franzosen ihr Vertrauen in Hollande verloren haben. Der angeschlagene Präsident ist gezwungen, drastische Massnahmen zu ergreifen - neue Gesetze gegen Geldwäsche, bessere Kontrollen der Finanzen, Regierungsumbildung und noch einiges mehr. Der Druck lässt nicht nach. Hollande muss unbedingt handeln.

Heute kam dazu sogar die Meldung, dass auch Aussenminister Laurent Fabius angeblich ein Konto in der Schweiz unterhält. Die Nachricht erschien in der Tageszeitung Libération, die den Sozialisten nahe steht und seinen Aufmacher mit dem Wort Cauchemar - Alptraum - versehen hat. Gemeint war natürlich der Alptraum von Hollande.

Dieser letzte journalistische Schuss kann allerdings nach hinten losgehen. Denn die Zeitung Libération hat selbst gar nicht recherchiert, bevor sie die Sensationsmeldung druckte. Sie hat sich lediglich auf eine Recherche der Website Mediapart verlassen, die angeblich im Gange ist. Die Nachricht wurde zudem als "Gerücht" veröffentlicht. Es bleibt dem Leser zu entscheiden, ob das Gerücht stimmt oder nicht.

Fabius dementiert vehement und droht mit Gerichtsverfahren gegen Liberation. Mediapart belächelt die Methoden von Libération. Inhaltlich bestätigt die Website nichts. Momentan scheint es so, dass Libération ins Fahrwasser der Alpträume geraten ist und sich bei Fabius entschuldigen muss. Warten wir es ab.

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