Frankreich als afrikanische Ordnungsmacht? Mit dem Krieg in Mali hat sich Hollande verschätzt

Maraud in Paperblog: Hollande als Kapitän / Mali Jet: Rebellen schlagen zu / Glez in Journal du Jeudi: Machthaber von Islamisten gefangen / Courrier International: ...und müssen aufgeben / Nouvel Observateur: Lage unübersichtlich / Alger Republicain: ...wobei Afrikaner von Europa ausgenutzt werden / Tel Quel: Jihad als Antwort



Seit dem Ende der Kolonialzeit versteht sich Frankreich als die Ordnungsmacht in Zentralafrika. Das ist aus französischer Sicht verständlich und gerechtfertigt. In mehreren Ländern dieser riesigen Region hat Frankreich vitale wirtschaftliche und politische Interessen zu verteidigen. Zudem befinden sich dort viele französische Bürger, derer Präsenz die nachhaltige Bindung an Frankreich verstärkt. Schließlich spielen Sprache und Kultur eine erhebliche Rolle. In Mali und anderswo bildet Französisch eine wichtige Brücke zwischen verschiedenen Stämmen, die ansonsten unterschiedliche afrikanische Sprachen verwenden.



Die letzten französischen Präsidenten haben die Rolle ihres Landes als Ordnungsmacht in Afrika immer subtiler ausgeübt. Es gab und gibt weiterhin eine beträchtliche militärische Präsenz. Doch die Tendenz war eindeutig, diese möglichst im Hintergrund zu halten. Trotz erheblicher Provokationen - vor allem in Form von Geiselnahmen durch Islamisten - hat sich Frankreich zurückgehalten. Zurecht wollte man sich nicht übernehmen.

Der jetztige Präsident Francois Hollande hat diese Zurückhaltung aufgekündigt. Mit der militärischen Intervention in Mali hat er einen Schritt gewagt, der Frankreich immer stärker belastet. Hollande konnte sehr schnell einen Sieg verkünden - ganz Mali wurde binnen weniger Tage von den Rebellen befreit und durch französische Truppen eingenommen. Doch genau darin liegt das Problem. Nun muss Paris dafür Sorge tragen, dass das weite Gebiet - dreimal so groß wie Frankreich selbst! - auch wirksam verteidigt wird.

Diese Aufgabe ist für Frankreich einige Nummern zu groß. In der Heimat wird die Bevölkerung kaum bereit sein, einen langen Krieg in der Ferne zu akzeptieren. Die Bilder der gefallenen Soldaten dürfen sich nicht häufen, da der Kriegsgrund nur schwer nachzuvollziehen ist. Die französische Armee ist überstrapaziert, wenn sie langfristig für Ruhe und Sicherheit in dem gigantischen Wüstenstreifen sorgen soll. Zudem fehlen ihr wichtige Kapazitäten - vor allem moderne, unbemannte Fluzeuge sowie die notwendige Überwachungstechnologie.

Offiziell verlässt sich Frankreich auf eine afrikanische Streitmacht, die die Kontrolle des Landes übernehmen soll. Doch diese steht noch lange nicht bereit, die Mammutaufgabe zu bewältigen. Es ist auch höchst fraglich, ob die Gesinnung der afrikanischen Soldaten den französischen Vorstellungen entspricht. Hollande will die Rebellen bzw. die Islamisten beseitigen, und zwar unter dem Motto "Kampf gegen Terror". Die Afrikaner wollen sich mit den Rebellen arrangieren und suchen bereits den Weg, einen Ausgleich mit ihnen zu erzielen.

Inzwischen hat sich der Konflikt ausgebreitet. In Nachbarländern wie Algerien und Nigeria gab es erneut Geiselnahmen. In anderen Staaten - wie die Zentralafrikanische Republik sowie Burkina Faso - ist die Lage äussert unstabil. Es wird nichts anders übrig bleiben, als mit den Gruppen und Kräften zu verhandeln, die mehr Einfluss gewinnen oder gar die Macht übernehmen. Auch in Paris wird man zu der Überzeugung kommen, dass Frankreich es allein nicht richten kann.

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