Frankreich will die Rebellen in Syrien notfalls im Alleingang bewaffnen / Des armes pour les rebelles syriens? Un plan dangereux

Europe1: Hilferuf von Hamza dem Martyr / Kassioun, Damascus: diese "Mutter aller Schlachten" ist ein Medienkrieg / Tishreen: Amerikaner bestimmen alles / Martinera in Courrier: Intervention fällig / Ballamann: ...da die UNO versagte / Michel Kichka: Hollande will Assad stürzen / L'Orient Le Jour sowie France Info: ...notfalls im Alleingang



Soll Europa die syrischen Rebellen bewaffnen oder nicht? Diese Frage kann nicht zuverlässig beantwortet werden. Denn niemand kann zur Zeit glaubwürdig definieren, wer die Rebellen sind und welche Absichten sie haben. "Die Rebellen" als einheitliche, gut strukturierte Gruppe gibt es nicht. Die verschiedenen, bewaffneten Verbände, die gegen das Regime von Präsident Bashar Assad militärisch vorgehen hören nicht auf ein Kommando. Sie sind höchst zerstritten und verfolgen ganz verschiedene Ziele, was die Zukunft Syriens angeht.



Ich überhöre nicht den Einwand, dass es inzwischen doch eine Art Regierung im Exil gibt. Darüber habe ich an dieser Stelle selbst berichtet. Doch das tut nicht viel zur Sache. Entscheidend ist das, was auf dem Terrain stattfindet - und nicht bei Konferenzen und hochkarätigen Treffen im Ausland. In Syrien selbst haben extremistische Gruppen wichtige strategische Erfolge erzielt. Manche beherrschen ganze Städte oder Stadtteile. So schnell werden sie ihre Waffen nicht niederlegen, weil etwa "der Westen" es wünscht.

Die tragische Entwicklung ist deutlich: dieser Bürgerkrieg hat sich schon längst in einen konfessionellen Krieg verwandelt. Die große sunnitische Mehrheit in Syrien ist darüber zerstritten, wie es weiter gehen soll. Die Minderheiten - Alawiten, Drusen, Christen und andere - müssen sehr wohl Benachteiligungen und Repressalien fürchten. Im Falle der Alawiten herrscht die (leider berechtigte) Angst vor Tötungen und Massakern. Denn die Führung dieser Volksgruppe hat das Land über 40 Jahre mit harter Hand regiert und viele Graumsamkeiten und Verbrechen begangen.

Im Übrigen fehlt es nicht an Waffen in Syrien - weder für die Armee noch für die Rebellen. Es fehlt an der Bereitschaft, einen großen nationalen Dialog zu beginnen, an dem sich wirklich alle ethnischen und konfessionellen Gruppen beteiligen. Momentan scheint ein solcher Dialog der einzige gangbare Weg, um die Kampfhandlungen zu beenden. Doch gerade aus dem Lager der Rebellen gibt es schwere Bedenken. Noch bestehen mehrere, einflussreiche sunnitische Anführer darauf, dass Präsident Assad und seine Gefolgsleute von Dialog ausgeschlossen werden.

Der französische Präsident Francois Hollande sieht die Lage anders und drängt die Europäer dazu, "die Rebellen" mit Waffen zu versorgen. Er droht sogar im Alleingang zu handeln. Die französische Presse berichtet vom "Ultimatum" an Europa. Von welchen Gedanken wird Hollande getrieben? Im Moment ist das nicht ganz klar. Doch fest steht, dass ausgerechnet der sozialistische Präsident militärische Interventionen nicht scheut. In Mali hat er sich auf eine Operation eingelassen, bei der die französische Armee ein Gebiet einnimmt, das dreimal so groß ist als Frankreich selbst. Nicht umsonst üben prominente Franzosen Kritik an diesem riskanten Kurs. Europa sollte sich hüten einer Intervention zuzustimmen, die ganz anderes wirken kann, als ursprünglich beabsichtigt.

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