Eine selten gelungene UN Mission scheitert am syrischen Bürgerkrieg

JM in Nouvel Observateur: eilig kommen sie nach Syrien / Lisa Besnon in Samhälls Debatt: ...um Frieden zu verkünden / ...und die Lage zu beobachten / Creseveur: das wurde festgestellt / Comics4Syria : nur  Schrecken und Tod



Äusserst selten gibt es UN Friedensmissionen, die wirklich erfolgreich sind. Eine solche Mission hat es seit knapp 40 Jahren an der Grenze zwischen Israel und Syrien gegeben. Diese Grenze, die sich auf den Golanhöhen befindet, ist eine der ruhigsten nicht nur im Nahen Osten sondern auch weltweit. Bei den Gegensätzen zwischen Damascus und Jerusalem gleicht das einem Wunder. Wie ist es zu erklären?



Die Antwort liegt nicht bei der UNO. Kein Friedensbeobachter hätte erbitterte Rivalen dazu gezwungen, ihre Waffen niederzulegen. Die Antwort liegt bei den Kontrahenten selbst. Weder Israel noch Syrien hatten Interesse an Feindseligkeiten an ihrer gemeinsamen Grenze. Im Gegenteil - beide Staaten profitierten von der Ruhe, die übrigens auch einen kleinen Grenzverkehr und Handel in bescheidenem Umfang zuließ. Der Krieg, den das syrische Regime der Assad-Dynastie immer wieder gegen Israel beschwor, führte Syrien über seine Verbündeten im Libanon. Doch es vermied sehr bewusst jede Provokation, die einen Waffengang auf dem eigenen Territorium ausgelöst hätte.

Dieser Zustand ist nicht mehr haltbar. Der syrische Bürgerkrieg tobt nun auch im Westsüden des Landes. Die Machtverhältnisse sind nicht mehr klar. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass die Staatsmacht zerfällt. Die Rebellen kontrollieren nun Teile der Region und wollen es unterstreichen, indem sie die Arbeit der UN-Beobachter zum Stillstand bringen. In der Tat gibt es für die internationale Truppe kaum noch etwas zu beobachten - ausser der Kämpfe unter rivalisierenden syrischen Verbänden. Ihre Mission ist somit sinnlos geworden und nähert sich dem Ende.

Dieser Hintergrund erklärt die Geiselnahme von UN-Soldaten. Die Botschaft lautet ganz klar, dass die Lage unübersichtlich ist. Assad kontrolliert nicht mehr das Land und kann den bisherigen, friedlichen Zustand an der Grenze zu Israel nicht garantieren. Neue Machthaber gibt es noch nicht. Doch bereits jetzt ist klar, dass sich die Verhältnisse grundlegend geändert haben. Die entführten philippinischen UN Soldaten werden hoffentlich bald freigelassen. Doch sie werden kaum ihre bishere Aufgabe fortsetzen. Manila hat bereits wissen lassen, dass es seine Beteiligung an der Mission beenden will.

Das ist eine logische, verständliche Entwicklung. Die fremden Soldaten aus der Ferne sind nicht willens und auch nicht in der Lage, noch etwas Positives zu bewirken. Jetzt tritt eine neue, unsichere Phase ein, bei der zunächst die Syrer selbst für Klarheit sorgen müssen. Wenn eine neue Autorität entsteht, wird sie ihre Interessen artikulieren und möglicherweise den bisherigen, ruhigen Zustand an der Grenze mit Israel aufrechterhalten. Nur dann können UN Beobachter wieder sinnvoll eingesetzt werden. Ansonsten ist ihre Präsenz nicht mehr tragbar.

Diese Erkenntniss über UN Missionen wurden in mehrern Teilen der Welt immer wieder gemacht - nicht zuletzt in Europa. Noch frisch in Erinnerung ist, wie UN Soldaten 1995 in Bosnien entführt wurden, um als Schutzschild für strategische serbische Einrichtungen zu dienen. Einige von ihnen wurden an Säulen gekettet und im serbischen Fernsehen der Öffentlichkeit vorgeführt. Diese damalige, gescheiterte Mission konnte erst wieder erfolgreich aufgenommen werden, als Serbien praktisch kapitulierte und sich die Lage grundlegend änderte.

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